Symphonie Nr. 3 F-Dur op. 90, Arrangement für zwei Klaviere sowie Arrangement für ein Klavier zu vier Händen von Robert Keller, stark überarbeitet von Brahms, hrsg. von Robert Pascall, München 2013

Mit dem vorliegenden Band ist die Edition von Brahms’ Symphonien im Rahmen der „Neuen Ausgabe sämtlicher Werke“ abgeschlossen. Die sieben Bände umfassen die vier orchestralen Hauptversionen sowie die sechs vierhändigen Arrangements für ein und/oder zwei Klaviere und wurden von Robert Pascall (Nottingham) herausgegeben – überwiegend allein, bei der 2. Symphonie zusammen mit Michael Struck, der die übrigen Bände als Redakteur betreute.
Unter Brahms’ vierhändigen Symphonie-Arrangements haben diejenigen der 3. Symphonie eine besondere Stellung: Während Brahms von der 1. und 2. Symphonie vierhändige Arrangements für ein Klavier geschrieben hatte, erstellte er von der 3. Symphonie kurz nach Beendigung der Orchesterpartitur (etwa Mitte Oktober 1883) ein vierhändiges Arrangement für zwei Klaviere. Dieses führte er im November zusammen mit Ignaz Brüll vor der Uraufführung der Orchesterfassung einem Kreis von Wiener Freunden und Kollegen mehrfach vor – nicht zuletzt zur Instruktion des Uraufführungsdirigenten Hans Richter. Das zweiklavierige Arrangement erschien bereits Ende März oder Anfang April 1884 im Berliner Verlag N. Simrock im Druck (Klavierpartitur, separate Stimme der Partie von Klavier II), während die orchestrale Hauptfassung in Partitur und Stimmen erst in der zweiten Maihälfte gedruckt vorlag.
Ein vierhändiges Arrangement für ein Klavier wollte Brahms bei diesem Werk nicht selbst erstellen. Doch als er von seinem Verleger Fritz Simrock Ende September 1884 das bereits gestochene Arrangement Robert Kellers in einem Vorabzug zugesandt erhielt, erschien ihm dieses pianistisch und satztechnisch zu pedantisch und unpraktisch. So vereinbarte er mit Keller, den er als Lektor seiner Werke durchaus schätzte, und Simrock, dass er das Arrangement nach seinem „Geschmack [...] umschreiben“ werde. Seine nachhaltige Umarbeitung betraf – anders als in der Brahms-Literatur wiederholt behauptet – alle vier Sätze, wobei 1. und 3. Satz allerdings besonders betroffen waren. Brahms’ Bemerkungen zufolge erfolgten die Änderungen teils im erwähnten Vorabzug selbst (heute verschollen), teils durch komplettes Neunotat. Anfang Dezember erschien das umgearbeitete Arrangement unter Kellers Namen im Druck. Zwar ist weder Kellers ursprüngliches Arrangement noch der von Brahms durchgearbeitete Vorabzug einschließlich der neu notierten Teile erhalten, doch belegt Brahms’ Korrespondenz mit Keller und Simrock eindeutig das starke Ausmaß der Umarbeitung. So wurde dieses Arrangement trotz der verbliebenen Zuschreibung zu Keller in die „Neue Ausgabe sämtlicher Werke“ aufgenommen.
Von Brahms’ vierhändigem Arrangement für zwei Klaviere ist die autographe Stichvorlage der Klavierpartitur erhalten, so dass hier quellenkritisch ediert werden konnte. Ob für den separaten Druck der Stimme von Klavier II die gestochene Klavierpartitur, die (heute verschollene) abschriftliche Stimme von Klavier II oder die autographe Klavierpartitur als Stichvorlage diente, ist allerdings nicht mehr eindeutig zu klären. Das vierhändige Arrangement für ein Klavier konnte demgegenüber nur textkritisch ediert werden, da keine Quelle des Manuskript- und Revisionsstadiums erhalten ist. Bei offenkundigen Textdefiziten eines Arrangements werden zusätzlich ggf. auch die Lesarten des jeweils anderen Arrangements korrigierend herangezogen. Diese fungieren in solchen eng umgrenzten Fällen als Referenzquellen, ohne dass die Gefahr der Quellen- oder Fassungsmischung bestünde. In insgesamt mehr als 200 Fällen waren Eingriffe des Herausgebers in die Lesarten der Hauptquellen nötig.
In seiner Einleitung erörtert der Herausgeber auch satztechnische Charakteristika beider Arrangements: Die zweiklavierige Fassung konnte insgesamt dichter an der Orchesterfassung bleiben, da hohe, mittlere und tiefe Register auf zwei Klavieren jeweils doppelt genutzt werden konnten. Demgegenüber waren im einklavierigen Arrangement aufgrund der entsprechend eingeschränkten Darstellungsmöglichkeiten oft stärkere Änderungen zur sinngemäßen Wiedergabe des Orchestersatzes notwendig.